13. August 1961 – 65 Jahre Vergesslichkeit

11, Aug. 2026 | Geopolitical Challenges, Geopolitische Herausforderungen, Les défis géopolitiques

13. August 1961 – 65 Jahre Vergesslichkeit

65 Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer scheint die Erinnerung an die Wirklichkeit der DDR, mit ihren nach innen gewandten Grenzsicherungsanlagen – ins Rentenalter gekommen zu sein. – Jedenfalls scheint die Vergesslichkeit um sich zu greifen, nicht nur bei Bewohnern der ehemaligen DDR und ihren Erfahrungen mit Mauer, Stacheldraht, Todesstreifen, Wachtürmen, Schiessbefehl und sogenannten Selbstschussanlagen, die nichts anderes waren als anti-Personen Splitterminen: Nach innen gewandt – gegen die sogenannte Republikflucht, von Ausreisewilligen, wie die (sehr deutschen) schriftlichen Befehle und dokumentierten Beschlüsse zeigen. Besonders in Öffentlich-rechtlichen Medien, die es im Ostteil Deutschlands nicht gab und die es im Ostteil einer geteilten Ukraine nicht geben würde.

Es ist bemerkenswert, dass die Nostalgiker der DDR, nicht nur dem Agressor Russland nach dem Mund reden, sondern, dass sie für die Ukraine die Teilung des Landes als eine attraktive Lösung ansehen. – Sie mögen die eigene Erfahrungen, oder die der Eltern an Mauer, Stacheldraht, Todesstreifen, Wachtürme, Schiessbefehl und sogenannten Selbstschussanlagen – gegen die sogenannte Republikflucht, von Ausreisewilligen verdrängen! Putin, der ehemalige Oberst des KGB in Dresden hat sie nicht vergessen und in einer Schublade griffbereit. https://europa-information.eu/de/putins-rezept-fuer-vertraege/

Eine Gedächtnisstütze

Die alliierten Siegermächte des zweiten Weltkrieges teilten 1945 Deutschland in vier Besatzungszonen wobei Trennung zwischen den westlichen Besatzungszonen der USA, Großbritanniens und Frankreichs wurden bald aufgehoben wurde. Der Name deutsch-deutsche Grenze wurde 1949 mit der Gründung der beiden deutschen Staaten (BRD, DDR) amtlich. Er hat sich aber nie durchgesetzt. Im allgemeinen Sprachgebrauch wurde weiterhin von der Zonengrenze oder von der Innerdeutschen Grenze gesprochen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetische_Besatzungszone

Durch die „Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und den westlichen Besatzungszonen“ vom 26. Mai 1952 wurde die Trennung untermauert.  Bürokratisch wurde dieser Vorgang mit der Anordnung über die „Neuregelung der Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und Westdeutschland“ geregelt.

Es wurde eine Grenze mit einem 10 Meter breiten Kontrollstreifen geschaffen, der am Westrand mit einem Stacheldrahtzaun gesichert wurde. Der Schutzstreifen betrug 500 Meter. Die Sperrzone auf der Seite der DDR wurde zunächst auf 5 Kilometer festgelegt. Die Bewohner dieser Sperrzone wurden registriert. Besucher benötigten einen Wochen vorher zu beantragenden Passierschein zur Einreise in die Sperrzone. Durch die „Aktion Ungeziefer“ 1952 und die „Aktion Kornblume oder Festigung“ 1961 wurden „vertrauensunwürdige“ Bürger ins Hinterland zwangsausgesiedelt.

Das Ziel, das die DDR-Führer mit dieser Verstärkung der Demarkationslinien verfolgten, war die Verhinderung einer Massenflucht in den Westen. Nach dem Scheitern der Stalinnote und der Neutralisierung ganz Deutschlands wurde die Grenze wurde der Bevölkerung als „antifaschistische Schutzwall“ präsentiert, der “die DDR vor Aggressionen des Klassenfeindes schützen” sollte. Sie diente neben der Verhinderung der Massenflucht auch als „Eiserner Vorhang“ zwischen zwei verschiedenen Gesellschaftsordnungen, da die anfängliche Appeasementpolitik der drei westlichen Siegermächte zu einer Form der Absicherung gegenüber der UdSSR wandelte. Die blutige Niederschlagung des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953, die blutige Niederschlagung des Aufstandes in Ungarn vom 23. Oktober 1956 bis zum 04. November 1956 beide Male durch russische Panzer zeigten die Unvereinbarkeit der westlichen Demokratien mit dem sowjetischen Kolonialsystem des COMECON.

Ab 1961 wurde die Grenze teilweise vermint und mit Signalzäunen ausgerüstet. Ein weiteres unmenschliches Merkmal war die Ausstattung (1970-1983) mit Selbstschussanlagen die auf Seiten der DDR waren (Todesstreifen). 30.000 Grenzsoldaten wurdenin Grenznähe kaserniert mit dem Ziel untergebracht, jeden Grenzverletzer „festzunehmen oder zu vernichten“. http://de.wikipedia.org/wiki/Schießbefehl

Ab 1971 wurden diese Sperrzonen teilweise verkleinert. An der ca. 1400 Kilometer langen Grenze existierten ca. 900 km Grenzzaun, dazu auf ca. 450 km Selbstschussanlagen , ca. 250 km Minenfelder Typ 66, ca. 600 km Kfz-Sperrgräben und ca. 1000 Beobachtungstürme. Bürger, denen die Flucht gelungen war,  wurden als „Republikflüchtlinge“ diskreditiert; ihre zurückgelassenen Familien waren Repressionen ausgesetzt. http://de.wikipedia.org/wiki/Selbstschussanlage

Von Berlin nach Kyiv

Von Kennedys Rede in Berlin 1963 blieb nur in Erinnerung, dass er sich als „Berliner“ bezeichnet habe. Auch hier ist der Rest vergessen. Am 26. Juni 1963 hielt er in Berlin vor dem Brandenburger Tor seine Rede, die er heute, da können wir sicher sein, entsprechend auf dem Maidan in Kyiv halten würde: „Was für diese Stadt gilt, gilt auch für Deutschland – ein echter, dauerhafter Frieden in Europa kann niemals gewährleistet sein, solange jedem vierten Deutschen das elementare Recht freier Menschen verwehrt wird, nämlich das Recht auf freie Entscheidung. In 18 Jahren des Friedens und des guten Willens hat sich diese Generation von Deutschen das Recht auf Freiheit verdient, einschließlich des Rechts, ihre Familien und ihre Nation in dauerhaftem Frieden und im guten Willen gegenüber allen Völkern zu vereinen. Sie leben auf einer geschützten Insel der Freiheit, doch Ihr Leben ist Teil des Ganzen. Lassen Sie mich Sie daher zum Abschluss bitten, Ihren Blick über die Gefahren von heute hinaus auf die Hoffnungen von morgen zu richten, über die Freiheit dieser Stadt Berlin oder Ihres Landes Deutschland hinaus auf den Vormarsch der Freiheit überall, über die Mauer hinaus auf den Tag des Friedens in Gerechtigkeit, über sich selbst und uns hinaus auf die gesamte Menschheit.

Freiheit ist unteilbar, und wenn ein Mensch versklavt ist, sind nicht alle frei. Wenn alle frei sind, dann können wir uns auf jenen Tag freuen, an dem diese Stadt wieder vereint sein wird und dieses Land sowie dieser große Kontinent Europa Teil einer friedlichen und hoffnungsvollen Welt sein werden. Wenn dieser Tag endlich kommt – und das wird er –, können die Menschen in West-Berlin mit bescheidener Zufriedenheit auf die Tatsache zurückblicken, dass sie fast zwei Jahrzehnte lang an vorderster Front standen.

Alle freien Menschen, wo immer sie auch leben mögen, sind Bürger Berlins, und deshalb bin ich als freier Mensch stolz auf die Worte: „Ich bin ein Berliner.“ https://www.jfklibrary.org/archives/other-resources/john-f-kennedy-speeches/berlin-w-germany-rudolph-wilde-platz-19630626

1983 wurde nach dem Druckmittel des Milliardenkredites der Bundesrepublik für die bankrotte DDR die Selbstschussanlagen demontiert, die Minen gesprengt und durch Hunde-Laufanlagen ersetzt. Mit dem „Mauerfall“ am 9. November 1989 wurde die Grenze an zahlreichen Stellen passierbar. Erst der Tag der deutschen Einheit der 3. Oktober war das Ende der Mauer. (In Hötensleben in Sachsen-Anhalt ist ein kleiner Teil der Grenzanlagen als Denkmal erhalten geblieben) TH (Quelle: Hötensleben u.a.)

News